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Was spricht sich warum herum?

Natürlich lässt sich mit den entsprechenden Werkzeugen und Daten die virale Kraft eines Produktes und einer Kampagne analysieren. Ebenso spannend kann es aber sein, aus der Ferne zu beobachten und zu hinterfragen, was ist es eigentlich, was ein Thema, ein Produkt, viral, ansteckend macht?


Heute hatte ich mir in einer Pressevorführung des neuen Kinofilm
"Sex an the City" (SATC) angeschaut, dessen virale Kampagne schon letzte Woche durch die Berliner Premiere mit dem nahezu kompletten Starangebot angeschürt worden war. Deutscher Kinostart ist der 29. Mai 2008.

Dass sich erstens rasch verbreitet, dass SATC als großer Kinofilm produziert wird, und nun auch, dass der Start kurz bevor steht, hängt freilich mit dem überragenden Erfolg der TV-Serie zusammen. Parallel entsteht durch das Vorwissen und die sich viral verbreitenden Informationen natürlich auch Neugierde und eine hohe Erwartungshaltung, die wiederum dazu beitragen, dass ein Thema im Gespräch bleibt. Natürlich hat sich der Verleih auch etliches ausgedacht, um die Mundpropaganda anzustoßen. Allein die teure Premiere setzt sich in Millionen Kontakte um.

Hinzu bringt der Kinofilm gegenüber den TV-Folgen eine neue Komponente, die bei der Zielgruppe – vor allem Damen, ich schätze insbesondere jenseits der 25 oder auch 30 – für viralen Gesprächsstoff sorgen wird: Carrie (Sarah Jessica Parker) will ihr Leben in einer Ehe mit Mr. Big neu ordnen. Der Film, ich will hier nicht zuviel verraten, dreht sich zumindest in der ersten Hälfte um die geplante Großhochzeit der beiden, die wie in jeder guten, dramatischen Komödie zum Desaster wird. Also Leinwand-Emotion pur, die verarbeitet werden will.
Natürlich steckt auch in der folgenden depressiven Phase
, der düpierten Braut, virale Power, die sich freilich in ein verrücktes Happyend verwandelt.

Als männlicher Zuschauer gehöre ich nicht unbedingt zur Kernzielgruppe. Dennoch hier einige Momente, die hängen geblieben sind und die mich animieren darüber zu sprechen:
Zunächst die Darstellerinnen: Wären sie in Sack und Asche gehüllt, würde sich niemand nach ihnen umdrehen. Das Outfit macht es. Sie hüllen sich in den teuersten Marken und lassen nichts Profanes (zumindest an Kleidung) an sich heran. Vom Aussehen, in ihrem Verhalten, sind sie Menschen wie Du und ich, was nicht zuletzt das Geheimnis des Erfolges mit ausgemacht hat.
Allerdings sind die vier Damen lostgelöst von der Erdenschwere, zumindest was Geld, Reisen, Ausgehen und natürlich der sündhaft teure Outfit betrifft und leben wie fröhliche, aber unzufriedene Göttinnen, wie man sie aus der Atike kennt.

Dennoch fehlt allen etwas: Etwa Sex, den man nicht kriegt, wie man ihn gerne hätte, ist ein zentrales (virales) Thema. Was freilich auch mit dem unendlichen Thema zusammenhängt, dass Mann und Frau nicht so einfach kompatibel sind, was auch die Diskussion bei Paaren bestimmen wird.
 
Sticky Moments,
die zum Weitererzählen animieren, gibt es genügend. Etwa wenn Carrie ein iPhone ablehnt, weil sie nicht weiß, wie man ohne haptische Tastatur telefonieren kann. Oder wenn Samantha in Ertwartung eines heißen Abends als nackte Sushi-Göttin vergeblich auf dem Küchentisch ausharrt, weil ihr Lover nicht kommt und sie die auf der Haupt drapierten Sushi-Rollen frustriert selbst verspeist.
Natürlich dürfen auch die Running Gags nicht fehlen. Samantha, gestraft durch Sex-Entzug, kauft einen kleinen Hund, der es regelmäßig mit Sofakissen treibt – und als ihr Tierschützer rote Farbe auf ihren Pelz schütten, ruft sie entzückt: "Das ist New York."

Alles in allem bietet SATC neben der Unterhaltung auch einen hervorragenden Gesprächsanlass und genügend Themen, die sich auf einfache, angenehme und freiwillige Weise verbreiten dürften. Kurz: "Das musst Du Dir anschauen, um mitreden zu können."
Ich bin gespannt, wie das wirkt, wenn ab 29. Mai der Film startet, und wie sich die Mundpropaganda auf den Besuch auswirkt.




Tag(s) : #Das ist ansteckend

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