Telekom – Undichte Stellen & Reputations-Gau

Veröffentlicht auf von Roland Keller

Es wäre freilich vermessen, angesichts des Verdachts des illegalen Angriffs auf Telefondaten von Telekom-Aufsichtsräten und -Managern durch ihr Unternehmen davon zu sprechen, dass die Wahrheit viral ist.

Doch zumindest hilft die Virulenz, dass so manche Information, die weder für die Betroffenen noch für die Öffentlichkeit gedacht ist, durchsickert.
Rache, Missgunst, Unachtsamkeit, Dummheit und Arroganz geben sich hier die Hand. Aber auch E-Mails oder wie hier ein Fax, landen mal an einer falschen Stelle.

Natürlich denkt bei solchen Aktionen niemand daran, dass sie auffliegen, genaus so wenig wie ein Bankräuber davon ausgeht, dass er geschnappt wird. Doch da bei der Telekom-Schnüffel-Aktion wohl Dutzende Personen involviert waren, darunter auch externe, war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Sache aufflog.

Der Schaden für das Unternehmen dürfte vehement sein. Wer so mit den Telefondaten der Aufsichtsräte umgeht, wie geht der mit den Daten den Kunden um? Und nicht nur das, auf der anderen Seite sind auch zahlreiche Journalisten von der Schnüffelaktion betroffen, was einen Solidaritätseffekt nach sich ziehen dürfte.

Über die Reputations-Maßnahmen der Telekom darf man jetzt schon gespannt sein – und darauf, wer diese Corporate Stasi-Aktion zu verantworten hat, falls sich der Verdacht bestätigt. Nicht, weil es dringend einen Schuldigen braucht, sondern weil bestimmt viele gerne wüssten, wie solch eine Aktion zustande kam.
Natürlich gehören zur Planung und Durchführung solcher Aktionen Menschen eines bestimmten Schlages, aber höchstwahrscheinlich auch ein hoher Grad an gefährlichem Konzern-Autismus und Betriebsblindheit, um dies vorsichtig auszudrücken. Oder um es anders zu sagen: die Abwesenheit einer Unternehmenskultur, die solche Vorkommnisse ausschließen würde.

Dass vom amtierenden Vorstand die Sache nicht unter den Tisch gekehrt, sondern die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wurde, lässt hoffen.

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