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Als Park Avenue vor zwei Wochen schwere Geschütze gegen das Glamour-Paar Krug/Ferres ("Der Fall Ferres – Mit welchen Methoden sich die Schauspielerin und ihr Mann vermarkten") abschoss, wartete man vergeblich auf Dementis. Denn die hätten – egal, ob die Story nun wahr oder unwahr ist – zusätzlich Öl ins Feuer gegossen und die in Park Avenue geäußerten Vorwürfe weiter verbreitet.

Selbst wenn durch ein Dementi falsche Vorwürfe oder Lügen entkräftet werden können, bleibt immer offen, ob das Dementi die Chance hat, tatsächlich in den kaum kontrollierbaren viralen Kanälen auch bis in die Tiefe zu wirken.


Wie heißt es so schön: "Ein bisschen bleibt immer was hängen."

Frei nach diesem Motto arbeitet auch so mancher Politiker. Besonders deutlich wurde das im amerikanischen Vorwahlkampf. Der Kandidat der Demokraten, Barack Obama, hatte unter Diffamierungen, Lügen und Halbwahrheiten besonders zu leiden. Da hieß es, er sei nicht in den USA geboren oder hätte seinen Eid als Senator auf den Koran geschworen. Platziert frei nach dem Motto, irgendwas wird hängen bleiben.
Inzwischen hat der Präsidentschaftskandidat eine Websites mit Dementis eingerichtet, die helfen soll Lügen, Verleumdungen und Halbwahrheiten abzuwehren oder richtig zu stellen.

In Spiegel Online ging Frank Partalong in einem lesenswerten Beitrag auf Obamas Dementi-Seite ein und stellt gleich zu Beginn die Frage "Wirkt Wahrheit im Web?", um im Vorspann des Artikels bereits resigniert zu erklären, dass dem Versuch per Website die Warhheit wieder herzustellen wahrscheinlich wenig Erfolg beschieden ist.

Möglicherweise hat er damit nicht ganz unrecht. Denn allein eine Website mit Dementis und der Darstellung von Wahrheiten genügt wohl kaum gegen clever inszenierte und gestreute Verleumdungen.

Stattdessen könnte eine aktive, offensive Reputations-Kampagne on- und offline helfen, innerhalb der die Website ein Baustein sein kann, aber nicht der alleinige.

Ein klassisches Musterbeispiel für eine gelungene Reputations-Kampagne ist die Affäre Dreyfus in Frankreich.
Der Offizier Dreyfus wurde 1894 in Frankreich trotz fehlender Beweise wegen Landesverrats verurteilt und auf die Teufelsinsel verbannt. Konservative Kreise und die Zeitung Le Figaro hatten zuvor ein Klima der Vorverurteilung geschaffen und setzten auf eine antisemitische Stimmungen.
Nachdem sich Testimonials wie der Schriftsteller Emile Zola für Dreyfus mit Artikeln einsetzten (Ich klage an) und eine Kampagne entfachten, wurde 1899 das Urteil aufgehoben und 1906 folgte schließlich ein Freispruch. Später wurde Dreyfus in die Ehrenlegion aufgenommen. Gleich mehrere Filme beschäftigten sich mit dem Thema Dreyfuss, in dem es zentral um Rufmord und Rehabilitation geht.

Natürlich zieht eine Lüge oder Diffamierung nicht gleich Kreise wie bei der Affäre Dreyfus. Doch statt der Verbannung auf die Teufelsinsel entsteht oft ein negativer Teufelskreis, der abhängig vom Schaden ein aktives Reputations-Management fordert. In den wenigsten Fällen wird auch ein so berühmtes Testimonial wie Emile Zola zur Verfügung stehen. Dafür gibt es aber zahlreiche Online-Mittel, um Imageschäden vorzubeugen oder sie zu beheben.




 
Tag(s) : #Viral Basics

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