Die Heiligsprechung im Netz ist nahe

Veröffentlicht auf von Roland Keller

Die Reputation im Netz muss stimmen. Deshalb liebe Community, solltest Du auch in frühen, unbeschwerten Jahren, darauf achten, dass Du nicht mit politisch unkorrektem Verhalten auffällst.
Bilder aus einer feuchtfröhlichen Feier, unbedacht hingequitterte oder gebloggte Kommentare holen Dich immer wieder ein. Das Netz vergisst nicht, gegen den Twitter- und Blog-Kater hilft kein Aspirin.
Unkorrekte Postings, das müsste eigentlich auf jeder Startseite analog zu Aufdrucken auf Zigarettenpacken stehen, können verhindern, dass man einen guten Job erhält oder Ministerpräsident wird.


Das Heilmittel dagegen: Lebe und arbeite politisch korrekt, nimm weder zu diesem Thema oder zu einem anderen eine Stellung im Web. Orientiere dich bei Deinem Web-Leben nicht unbedingt am Papst (politisch zu unkorrekt für Geschäftspartner aus dem Nahen Osten), besser gleich an weltweit anerkannten Heiligen oder farblosen Politikern, denen man nie etwas über ihre ausgewogenen Sätze nachsagen kann, weil sie Stellungnahmen vermeiden.

Ende der Polemik.

Damit ich nicht falsch verstanden werde, ich habe nichts gegen das Reputationsmanagement im Internet, für das ich mich selbst auf pr-blogger oder my-onID einsetze.
Ich habe allerdings etwas dagegen, wenn Privatpersonen oder Unternehmen unter Reputations-Management verstehen, dass man am besten zu nichts eine Haltung einnimmt. Reputationsmanagement, wie ich es verstehe, sollte zugleich Teil einer Persönlichkeitsbildung im Netz sein, helfen eine Online-Persönlichkeit zu bilden, die Ecken und Kanten haben darf. Das muss ja nicht unbedingt polarisieren.
Alles andere würde uns in Zeiten zurückwerfen, die wir überwunden glauben. Sonst entwickeln wir uns zur einer allseits reduzierten Persönlichkeit, wie ein Film von Helke Sander aus dem Jahr 1978 hieß.
Interessant ist ja, dass gerade die, die sich über unsere politische Korrektheit als Bürger sorgen, ihre Ecken und Kanten zeigen, weil sie radikal davon überzeugt sind, die richtige Farbe und Lehre zu vertreten.
Ganz so radikal muss man seine Haltung ja nicht vertreten.
Haltung und Toleranz, das wäre eine ideale Verbindung. Dort wo dies der Karriere schadet, sollte man überlegen, ob man auf dem richtigen Weg mit den richtigen Partnern ist.


Veröffentlicht in Viral Clash

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