Lichtblicke im Sumpf des Social Web

Veröffentlicht auf von Roland Keller

Keine Agentur, kein Online-Dienstleister, der heute nicht das Social Web beschwört. Ja, Wunderwerke der Kommunikation verspricht, gar Wasser zu Wein zu machen. Was viele Kunden und noch viel mehr Nutzer dann erleben, ist dass das Wasser ziemlich trübe rüberkommt. Dort, wo Social Web draufsteht, ist oft viel Nichtkönnen drin. Oder eine Inflation der immer Gleichen nicht eingelösten Versprechungen.
Gerade deswegen wurde ich gestern Abend begeistert. Von einer Bank, besser von ihrem Vorstand Matthias Kröner, einem der Mitgründer der
Fidor Bank.

Bildschirmfoto 2010-03-16 um 21.42.04Eingeladen hatte der Social Media Club München zu einer Social-Banking-Veranstaltung. Ich hatte mir zuvor nicht viel darunter vorgestellt und war gespannt, was uns Kröner über seine Bank erzählen würde.

Das war zu Beginn wenig Neues: Banken müssen wieder Vertrauen gewinnen.
Richtig. Aber wie?
Ehrlichkeit und richtig verstandenes Social Media, so Kröner, könnten ein neues Image schaffen. Voraussetzung: Mit dem Kunden auf Augenhöhe zusammenarbeiten und ihn in die Prozesse um seine Finanzen integrieren, ihn ernst nehmen. Nicht Beratung draufschreiben, wo nur Verkaufe, oft zum Nachteil des Kunden drinsteckt.

Während ich mich bei den meisten Banken beim Internet-Banking wie ein kostenloser, outgesourcter Mitarbeiter vorkomme (auch bei Lufthansa und anderen Seiten), spüre ich bei Fidor eine völlig andere Haltung. Auch hier muss ich auf der Website aktiv werden, aber ich habe das Gefühl, dass ich hier in jeden Entscheidungsprozess einbezogen bin. Zudem werde ich noch für meine Fragen und Antworten an die Fidor-Community belohnt.
Fidor selbst leistet keine Beratung, das leistet die Community aus Kunden oder angemeldeten Besuchern. Wer sich als Berater anmeldet, muss seine Kompetenz und Leistung in der Community beweisen. Hierzu dienen die Bewertungen.
Spannend auch das Konzept, dass Kunden direkt miteinander Finanzgeschäfte über die Plattform abwickeln können.

Hinzu kommt, dass Fidor für Einlagen Zinsen zwischen 2,55 und 3,01 Prozent zahl, was, so Kröner, durch die schlanken Kostenstrukturen möglich sei.
Überzeugend auch die Links und weiteren Angebote auf der Website, die ein völlig anderes Verstädnis von Banking dokumentieren - der Nutzen des Kunden und der Community scheint hier im Vordergrund zu stehen.

Zusammenfassend kann ich nur sagen: Ich habe in den letzten Jahren wenig Webauftritte und Angebote erlebt, die exemplarisch für das Social Web stehen und die aus dem Internet heraus in jeder Weise ein Stück Zukunft greifbar machen, so etwas wie eine der frühen Online-Visionen unterstützen, die heute meist durch Kostenspar-Ideen via Internet zerstört wurden.

Mehr zu dem Thema auch bei Klaus Eck auf dem PR-Blogger, der durch die Veranstaltung geführt hat. Interessant auch dabei, dass einer der frühen deutschen Internet- und Community-Pioniere, Patrick Gruban, den Fidor-Auftritt entwickelt hat.

Veröffentlicht in Viral Clash

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